Nimmt man das Wort “Käse” in den Mund, schwingt sofort ein Hauch von Tradition, Swissness, Ursprünglichkeit und Behäbigkeit mit. Wie gelingt es also, ein Produkt wie Käse nicht nur modern zu interpretieren, sondern als bereicherndes Erlebnis zu positionieren und entsprechend erlebbar zu machen? All dies, ohne dessen traditionellen Charakter zu vernachlässigen? Ein Einblick in die wunderbare Welt des Chäsubeb, tief im Herzen der Berner Altstadt.

Am Anfang steht ein mutiger Schritt

Dass der beschauliche Käseladen in den 2000er Jahren nicht nur überlebte, sondern sprichwörtlich mit einem zweiten Leben beschenkt wurde, ist dem Engagement und der Weitsicht eines Familienbetriebes aus dem bernischen Zollikofen zu verdanken: Die Baumann Käse AG nämlich belieferte den ursprünglichen Chäsbueb seit Jahrzehnten mit Käse aus ihren Lagern. Das Berner “Altstadt-Lädeli” wurde da bereits seit mehreren Jahrzehnten vom Berner Urgestein Heinz Megert geführt und befand sich im Zibelegässli, unweit des heutigen Standorts unterhalb des Zytglogge. Als Megert in den wohlverdienten Ruhestand treten wollte, liess sich vorerst keinen Nachfolger für die Weiterführung des Ladens in der Berner Altstadt finden. Als der Laden im Jahr 2007 somit kurz vor dem Aus stand, fasste die Führung der Baumann Käse AG einen mutigen Entschluss und rettete den Chäsbueb und damit ein Stück Berner Altstadt-Tradition. Durch die Übernahme wagte der bisherige Handelsbetrieb ein Experiment, dass sich für alle Beteiligten auszahlen sollte.

Der direkte Draht zum Käseliebhaber

Als klassischer Handelsbetrieb war die Baumann Käse AG bis dato relativ weit weg vom Kunden an der Käsetheke. Durch den Chäsbueb verfügt der Betrieb nun über einen direkten Zugang zu den Wünschen der Käsekonsumenten. Dass die Wahrung der Tradition sowie der Einsatz gegen das “Lädeli-Sterben” in der Berner Altstadt bei der Übernahme eine ebenso wichtige Rolle gespielt haben, ist jedoch unschwer zu erkennen. So bestimmt noch immer Kurt Staudenmann das Sortiment der Käsetheke, welcher schon unter Heinz Megert eine tragende Rolle im Laden spielte. Seine Erfahrung und seine Erläuterungen zu den Käsespezialitäten sind eine Bereicherung für jeden Kunden. Zu jedem der rund 250 angebotenen Sorten kennt er die ganz individuelle Geschichte. Auch für The.Up.Life. hat Kurt eine Käse-Variation zusammengestellt, die wärmstens weiterzuempfehlen ist. Dabei betont er, dass es “keine ideale Kombination gibt, da die Möglichkeiten dazu unendlich sind”.

Das “Chäsbueb-Teams” setzt mit Leidenschaft alles daran, der Berner Bevölkerung das Produkte Käse auf eine erlebnisreiche und nachhaltige Art näher zu bringen. Um die bunt gemischte Stammkundschaft stets aufs Neue zu begeistern, finden sich in der Käsetheke zahlreiche Spezialitäten kleiner Käsereien aus der gesamten Schweiz. Ein spezieller Fokus gilt echten “Bernern” wie dem Bärner-Blitz oder dem Zytglogge Mutschli. Obwohl die Baumann AG vor allem Theken und kleine Käse-Läden beliefert, ist es dem Team wichtig, nicht bloss Produkte aus dem eigenen Sortiment zu verkaufen. Das Angebot wird bewusst mit ganz besonderen Spezialitäten ergänzt, welche von Kurt Staudenmann meist persönlich ausgewählt werden. Dies kann gut auch mal ein einziger Laib eines befreundeten Alpkäsers sein. Genau dieses Zusammenspiel macht das Angebot im Chäsbueb aus und entzückt den Kunden immer wieder aufs Neue.

Die Käsewelt erlebbar machen

Die Renaissance des altehrwürdigen “Lädelis” erfolgte 2011, also rund vier Jahre nach der Übernahme. Mit dem Totalumbau des Laden setzten sich die Betreiber zum Ziel, “Käsekunst und Tradition dem Konsumenten noch näher zu bringen, und so das Käsehandwerk erlebbar zu machen”. Besonders deutlich wird dies im “Chäs-Chäuer” einen Stock unter der eigentlichen Ladenfläche. Das kleine Eventlokal beherbergt bis zu 20 Gäste, welche bei Fondue, Racelett, Käseplatte oder Brunch ihr Wissen zu Käse erweitern können. Der Clou dabei: Nicht der Käse steht im Zentrum, sondern der Kunde. So sitzt man in der Mitte des Kellers, und ist rundherum von Käse umgeben. “Ein Gefühl zu erzeugen, mitten im Käse zu sitzen, war von beginn weg die Idee”, erzählt denn auch Brigitte Niklaus, Marketing-Leiterin von Baumann-Käse und Vollblut-Chäsbuebin, mit vor Stolz glänzenden Augen. Das dies eindrücklich gelungen ist, zeigt ein Augenschein in diesem einzigartigen Käsekeller-Ambiente.

Das Verbinden von Tradition und Moderne ist entscheidend, für den Erfolg des Konzeptes “Chäsbueb”, ist Brigitte Niklaus überzeugt. Eine Idee, die bis ins kleinste Detail durchgezogen wurde. So reifen die Laibe im “Chäs-Chäuer” auf echtem Tannenholz, wie es auch bei der Reife von Original Gruyère-Käse verwendet wird. Es sind genau diese Details, welche das Erlebnis Chäsbueb authentisch und lieblich wirken lassen. “Diese Geschichten locken vermehrt auch ein jüngeres Publikum, welches sich stärker mit den Produkten auseinandersetzt, in den Laden” ist Fabian Strahm überzeugt. Der Marketing-Verantwortliche des Chäsbueb muss es wissen, schliesslich ist er selbst noch keine 30 Jahre alt und bezeichnet Käse als “etwas Wunderbares, das Emotionen weckt”.

Teil des Berner Altstadtlebens sein

Mit dem Chäsbueb wurde ein Stück Berner Altstadttradition gewahrt. Dem Bestreben, das Berner Kleinhandwerk zu unterstützen und aktiv ein Teil des Berner Stadtlebens zu sein, messen die Betreiber denn auch grosse Bedeutung zu. So ist beispielsweise in Zusammenarbeit mit der lokalen Matte Brennerei nicht nur das weltweit erste “Gin-Fondue”, sondern auch ein gemeinsamer Gin-Käse-Soirée entstanden. Für Bernerinnen und Berner, die ihre Käse-Sinfonie nicht in den eigenen vier Wänden geniessen wollen, gibt es jeden Samstag einen käselastigen Brunch im Chäs-Chäuer, oder auch spezielle “Raclette”- und “Gschwellti und Chääs”-Abende. An Ideen, Käse zu einem Erlebnis zu machen, mangelt es im Chäsbueb also keinesfalls. Ein Besuch lohnt sich für Käsefans, Altstadtbummler oder bloss Neugierige allemal, findet The.Up.Life.


The.Up.Life. zu Besuch im Chäsbueb in Bern.

The.Up.Life. hat den Chäsbueb aus freien Stücken besucht, um mehr über das charakteristische “Lädeli” aus der Berner Altstadt zu erfahren (hier auf dem Bild mit Brigitte Niklaus). Mehr Informationen rund um den Chäsbueb unter www.chaesbueb.ch.