“Wir sind die erste Berner Brennerei seit der Schliessung der Brennerei in der Felsenau im Jahre 1880”, erzählt Lars Urfer nicht ohne Stolz. Er hat mit seinem Team kürzlich den nächsten Schritt gewagt und eine neue Bleibe bezogen. Die Spirituosen aus der Berner Matte werden neu nicht mehr in der engen Küche des Lokals am Mühleplatz zubereitet. Dank ihrem nachhaltigen Erfolg konnte die Matte Brennerei ein paar hundert Meter weiter flussaufwärts eine eigene kleine Distillerie einrichten. Dass die etwas industriellere Umgebung die Kreativität der Brenner zusätzlich fördert merkt man spätestens, wenn man mit Lars Urfer über die sich neu eröffnenden Möglichkeiten und bevorstehenden Projekte spricht.

Raum für Experimente

Herzstück der Matte Brennerei bildet der imposante Brennkessel, welcher ein bisschen an ein Gerät aus einem Forschungslabor erinnert. Darin wird der als Basis verwendete Industriealkohol gemeinsam mit den aromaspendenden Botanicals während mehreren Stunden mazeriert. Anschliessend wird das Gemisch erhitzt und destilliert. Dabei werden die unterschiedlichen Siedepunkte von Alkohol und Wasser genutzt um ein möglichst reines, alkoholreiches Destillat zu erhalten. Um die Qualität zu optimieren wird das Destillat in drei Teile aufgeteilt. Die ersten Liter – der Vorlauf – werden entsorgt, um allfällige geschmackliche Unreinheiten auszumerzen. Gleiches gilt für den letzten Teil des Destillats. Diese sehr streng riechende Überproduktion wird in Fässer abgefüllt und im Falle der Matte Brennerei einem befreundeten Landwirtschaftsbetrieb übergeben, welcher daraus Biogas erzeugt. Der wertvolle Gin entsteht also nur aus dem mittleren Teil des Destillats, welches unter Zugabe von Wasser soweit verdünnt wird, bis der gewünschte Alkoholgehalt erreicht ist. Im Falle des Matte Dry Gins sind dies 42 Volumenprozent. Pro Brenntag produzieren Lars Urfer und sein Team so um die 300 Liter Gin.

Brennkessel in der Matte Brennerei

Neben dem Brennraum verfügt die Matte Brennerei in den neuen Räumlichkeiten über ein grosszügiges Lager sowie einen küchenartigen Lagerraum für die Botanicals, welche dem Gin seinen Geschmack verleihen. Dadurch lassen sich nicht nur die Produktionsmengen besser ausgleichen. Dies erlaubt dem Team auch, an immer neue Rezepturen und Mischungen zu tüfteln und entsprechende Testbrände auszuprobieren.

Die Geheimnisse der Botanicals

Das Gehirn der Matte Brennerei liegt im erwähnten Vorratsraum für die Botanicals. Hier werden nicht nur erlesene Botanicals gelagert, sondern laufend neue Mixturen und Rezepte mit Hilfe einer Mini-Brennblase ausprobiert. Das Team der Matte Brennerei legt dabei grossen Wert auf die nachhaltige Herkunft der verwendeten Aromastoffe. Für den Matte Dry Gin werden, neben dem für Gin charakteristischen Wachholder, vorwiegend kräftige und frische Botanicals verwendet. Nebst Zitrus- und Orangenzeste sind dies insbesondere spezielle Pfefferkörner: So wird Kubeben-Pfeffer aus Asien oder Grains of Paradise aus Westafrika verwendet. Zusätzlich zu diesen Klassikern gilt es eine Zutat des Matte Dry Gins besonders hervorzuheben: Ingwer. Verwendet wird nämlich nicht ein beliebiger Ingwer, sondern die Überreste aus der Maische des beliebten Berner “Ingwerer” Brands der Peppe GmbH. Dank dieser Kooperation verfügt der Matte Dry Gin über ein echtes Signature-Botanical, welches so nirgends auf der Welt in einer Gin-Mixtur zu finden ist.

Die Verwirklichung des Bubentraums

Als Sohn eines jurassischen Vaters war Lars Urfer schon früh von den Geheimnissen und Ingredienzen der Schnapsbrennerei fasziniert. Noch heute unterhält der gelernte Industriedesigner gute Beziehungen ins Val de Travers, wo der selbstgepflückte Wermuth für den “Matte Brennerei Absinthe” exklusiv für ihn getrocknet wird. Gemeinsam mit der Brennerei Schwab erarbeitete er seine erste Gin-Rezeptur, nach welcher er in den eigenen vier Wänden seinen Gin destillierte. Als er die Chance hatte, im Berner Mattequartier die erste Berner Brennerei seit 1890 zu eröffnen, war für ihn klar: Die Zeit ist reif um den Bubentraum vom eigenen Betrieb zu verwirklichen. Dies war die Geburtsstunde der “Matte Brennerei”.

Lars Urfer, Inhaber Matte Brennerei Bern

Um seine Leidenschaft weiterzutreiben hat er im Laufe der letzten Jahre ein kleines, aber schlagkräftiges Team zusammengestellt, mit welchem er das Sortiment der Matte Brennerei laufend zu erweitern versucht. Trotz dem engen Bezug zur Gastronomieszene steht für ihn die Leidenschaft für Rezepturen und den Brennprozess eindeutig im Vordergrund. Diesen Sommer macht sich das Team an ein neues Herzensprojekt: Einen Barrel-Gin aus der Berner Matte. Dazu wird der Gin in einem extra für das Projekt erworbenen Holzfass gelagert, um mit den daraus resultierenden Geschmacksnoten zu spielen.

Neben der Innovationslust der jungen Berner trägt bestimmt auch der aktuelle Zeitgeist seinen Teil dazu bei, dass die Matte Brennerei auf nachhaltig erfolgreichen Beinen steht (mehr zum Aufstieg des Gin’s gibt es bei uns unter: Gin – Vom Aufstieg einer vergessenen Legende). Das Spezielle an der Geschichte aus der Berner Matte ist aber mit Sicherheit, dass hier keine Marketingprofis mit einer Lohnbrennerei gemeinsame Sache machen um auf den Gin-Trend aufzuspringen. Die Leidenschaft für die Beschaffenheit des Produktes steht hier im Zentrum des täglichen Schaffens. Dies wird spätestens klar, wenn man in Lars Urfers glänzende Augen sieht, während er aufgeregt vom gerade angelieferten Fass für das neuste Barrel-Gin Projekt erzählt.

Matte Brennerei – Mehr als nur der Matte Dry Gin

Neben den Gin-Variationen gehören auch ein Wodka sowie der Matte Brennerei Absinthe zum Sortiment. Insbesondere der Absinthe weckt eine zusätzliche Leidenschaft im Brennmeister. Dieser ist überzeugt, dass die “Grüne Fee” eines der nächsten Getränke wird, welches die Bars in der Stadt im Sturm erobern wird. The.Up.Life. hat nach den Geschichten und Geheimnissen hinter den Destillaten gefragt.

Matte Dry Gin

Matte Dry Gin

Der Berner-Signature Gin ist der Klassiker aus der Matte Brennerei. Brennmeister Lars Urfer bevorzugt kräftige, frische Gins. Dies macht sich entsprechend in der Rezeptur und im Glas bemerkbar.

Matte Sloe Gin

Die süssliche Antwort auf den kräftigen Matte Dry Gin. Der Sloe Gin eignet sich ideal als Tonic-Mix für laue Sommerabende. Ein Teil des verwendeten Schlehdorns wird direkt auf der anderen Seite der Aareschlaufe in Worblaufen gesammelt.

Matte Meister Gin

Matte Meister Gin

Nach 32 Jahren holt Adi Hütter mit dem BSC YB erstmals wieder den Meistertitel nach Bern. Grund genug einen echten Berner Meister Gin herzustellen. Vertragsrechtliche Querelen sorgten jedoch dafür, dass der Pokal vom Etikett entfernt werden musste und der offizielle YB-Meister-Gin aus Luzern stammt. Doch nicht nur für jeden YB-Fan ist klar, dass es nur einen Meister-Gin gibt: Den Matte Meister Gin – auch ohne Pokal auf dem Etikett.

Matte Wodka

Matte Wodka

Der Wodka gilt als reinste aller Spritiuosen. Grund genug für das Team der Matte Brennerei, sich auch daran zu versuchen. Entstanden ist ein feiner Getreide-Brand gepaart mit mildem Berner Wasser.

Matte Absinthe

Matte Absinthe

Mit dem Matte Absinthe verwirklicht Lars Urfer den Ursprung seiner Leidenschaft für die Brennkunst. Den dafür verwendeten Wermuth sammelt er im Val de Travers selbst und lässt ihn von einem befreundeten Landwirt in Boveresse exklusiv trocknen. Die besondere Bitterkeit des Wermuth gibt dem Berner Absinthe seinen ganz eigenen, charakteristischen Geschmack und macht ihn zum Newcomer in der Berner Bar-Szene.

Die absolute Leidenschaft ist Lars Urfer und seinem Team bei jedem Wort anzumerken. Auch im Glas wird schnell klar, dass hier Produkt, Qualität und lokale Inhaltsstoffe im Vordergrund stehen. The.Up.Life. meint, dass eine Flasche Matte Dry Gin – für die Mutigeren sogar eine Flasche Matte Absinthe – in jede gut bestückte Bar gehören: Auch in die in den eigenen vier Wänden.

Mehr zur Matte Brennerei und einen Online-Shop gibt es unter www.mattebrennerei.ch

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