Mit seinem Projekt «Sky and Sea» nimmt uns Fotograf Remo Neuhaus mit auf eine Tour entlang der Westküste Europas. Von Tarifa bis zu den norwegischen Lofoten porträtiert er diesen Landstrich in seinem ganz charakteristischen Stil: Rau, wild, farbgewaltig und mit der unbändigen Kraft des Atlantiks als steten Begleiter. Ein Einblick in eine Reise der Gegensätze.

Am Ursprung des Projektes stand ein runder Geburtstag und der Traum einer dreimonatigen Reise entlang Europas Westküste. Entstanden ist daraus nicht nur eine Galerie einzigartiger Fotografien, sondern ein echter Farbtupfer für Berns doch eher graue, nasskalte Vorweihnachtszeit. «Sky and Sea» ist für den Unternehmer und Künstler Remo Neuhaus mehr als einfach eine Ausstellung. Es ist die Versinnbildlichung einer Lebensphilosophie, welche aus jeder Pore seines Körpers sprüht. Dass die Eröffnung der Ausstellung ein voller Erfolg ist, ist nicht nur den aussagekräftigen Werken, sondern auch dem Engagement des Gastgebers zu verdanken. Seine Begeisterung macht deutlich, wie sehr es sich dabei um eine Herzensangelegenheit handelt.

Remo Neuhaus im Sky and Sea Pop-Up

Im Gleichgewicht zwischen Yin und Yang

Als Künstler bekannt wurde Remo Neuhaus insbesondere durch seine aussagekräftige Porträt-Fotografie. Das Festhalten von Landschaften und Naturmotiven hat er erst im Verlaufe seiner Karriere kennen und lieben gelernt. Mittlerweile beschreibt er die beiden Stile als «ideale und positive gegenseitige Ergänzung, wie Yin und Yang». Während bei Porträtaufnahmen «Hektik zum Tagesgeschäft» gehört, so braucht es für das perfekte Landschaftsbild «Zeit, Geduld und Musse», meint Neuhaus. Genau dieser Spagat sei es, der die beiden Disziplinen so spannend mache. Auch die 25 Werke der Ausstellung «Sky and Sea» versinnbildlichen für den Betrachter eine Form des Gleichgewichtes: Man spürt förmlich die Geduld, Ruhe und Gelassenheit, die hinter jedem Druck auf den Auslöser steckt. Im Gegensatz dazu stehen die rauen, wilden Motive, welchen den Bildern eine besondere, man könnte interpretieren atlantische, Ausdrucksstärke verleihen. Es ist diese Kombination, dieses «Yin und Yang», welche die Ausstellung in ein einzigartiges Licht rückt.

Das Lied von Himmel und Meer

Auf die Frage, was den «Sky and Sea» nun genau sei, hat Remo Neuhaus eine eindeutige Antwort: «Eine Emotion und ein Gefühl von Freiheit». Meer und Himmel haben für den passionierten Kite-Surfer eine schon fast spirituelle Bedeutung. Seit über 30 Jahren fährt er regelmässig nach Öland, eine kleine Insel in der schwedischen Ostsee. Die «Insel der Sonne und des Windes», wie sie von den einheimischen liebevoll genannt wird, steht denn auch am Ursprung des «Sky and Sea» Projektes. Denn hier hat Neuhaus nicht nur seine Liebe zum Kite-Surfen, sondern auch seinen ganz eigenen Stil der Landschaftsfotografie entwickelt. Als sich die Chance einer dreimonatigen Auszeit bietet, ist dies für ihn die Gelegenheit, seine Leidenschaften im Rahmen eines einzigartigen Projektes zu kombinieren. Dieses führt ihn auf eine Reise der Gegensätze. Von Tarifa, dem südlichsten Punkt Festland-Europas, bis nach Nordnorwegen. Immer entlang der Atlantikküste. Das Meer im Blick und auf der Suche nach den perfekten Winden. Dabei wechseln sich actiongeladene Kite-Surf-Momente laufend ab mit dem entspannten Warten auf perfektes Licht für unverwechselbare Fotoaufnahmen. Damit auch Daheimgebliebene diese Geschichte von «Himmel und Meer» miterleben können, startet Remo Neuhaus einen Foto-Blog mit einem aussagekräftigen Namen: «Sky and Sea» war somit geboren. Zurück in Bern brauchte es dann nur noch etwas Überzeugungsarbeit des Kurators Raphael Rigassi, um den Foto-Blog in eine Ausstellung zu transformieren, welche den imposanten Bildern ihren verdienten Raum gibt.

Sky and Sea Leuchtturm auf Sylt

Die Kräfte der Natur in den Bildern widergeben

Naturkräfte, insbesondere Himmel und Meer, sind auch diejenigen Elemente, welche den Stil der Ausstellung prägen. Die Bilder vermitteln eine wilde, schöne Rauheit und transportieren den Betrachter gefühlt mitten in die Gischt des schäumenden Atlantiks. Doch auch menschliche Aspekte lässt Neuhaus im Einklang mit der rauen Natur zur Geltung kommen. So porträtiert er beispielsweise einen vom Wetter gegerbten norwegischen Fischer oder zeigt waghalsige Kite-Surf-Manöver im eiskalten Atlantik. Dieses Zusammenspiel von Naturgewalt und menschlicher Ausstrahlung ist an Tiefe und Ausdruck kaum zu überbieten. Dass für die Kombination von perfektem Motiv und Kite-Surf-Erlebnis keine Strapazen gescheut wurden, verdeutlicht das Bild des Kvalvika Beaches. Rund zwei Stunden dauert die Wanderung zum abgelegenen Strand – Kiteboard auf dem Rücken inklusive. Diese und weitere Geschichten hinter den Bildern lassen sich an der Ausstellung live miterleben. Mittels XTEND-App und QR-Codes, welche neben den Bildern angebracht sind, werden die Handydisplays Zeugen von behind the scenes Videoaufnahmen zur Entstehung der einzelnen Kunstwerke. Diese multimediale Inszenierung rundet das Ausstellungserlebnis auf eine aufregende, amüsante Weise ab, und unterstreicht die emotionale Philosophie hinter dem gesamten «Sky and Sea» Projekt.

Sky and Sea Kvalvika Beach

Der Glückstreffer in der Berner Matte

Fast so eindrücklich wie die Bilder ist das Rahmenprogramm der rund einmonatigen Ausstellung. Dieses beginnt bereits mit der ausgefallenen Location, mit grösstmöglicher Nähe zum Wasser. Die rustikalen Sandstein-Wände des Gebäudes in der Berner Matte, welches ehemals die Werbeagentur Contexta beheimatete, multiplizieren die Ausdrucksstärke der Bilder nachhaltig. Eingebettet wird die Ausstellung zudem in ein gastronomisches Pop-Up Konzept, anlässlich welchem das Team des Hotels Moosegg die Gäste allabendlich mit Köstlichkeiten sowie mit einem Sonntags-Brunch verwöhnt. Bei «Sky and Sea» handelt es sich also sprichwörtlich um eine «Ausstellung zum Geniessen».

Sky and Sea Pop Up

Der Traum lebt weiter

«Das eine oder andere Bild konnte ich doch schon verkaufen» antwortet Remo Neuhaus mit sympathischem Stolz auf die Frage, ob denn doch auch ein kommerzieller Gedanke hinter dem Projekt steckt. Das Feuer, dass in ihm brennt, wenn wir über «Sky and Sea» sprechen verdeutlicht jedoch, dass der Verkauf der Bilder maximal ein angenehmer Nebeneffekt ist. Im Zentrum steht die Emotion, das Abenteuer, die Leidenschaft zum Fotografieren, zum Kite-Surfen und zur rauen Natur. So erstaunt es nicht, dass Neuhaus bereits an eine Fortführung des Projektes denkt: «Sky and Sea Island oder United Kingdom wären unglaublich cool zu realisieren». Als Aussenstehende können wir nur hoffen, dass er Wort hält und uns im Verlaufe der nächsten Jahre erneut mitnimmt auf eine einzigartige Reise am Scheitelpunkt der Naturgewalten.

Ein Besuch im Sky and Sea Pop-Up in der Berner Matte ist noch bis Mitte Dezember möglich. Sämtliche Infos zum Projekt und zu der Ausstellung gibt es hier.

Europas Westküste zu Gast in Bern
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